Gebärdensprache
Allgemeine Information
Gebärdensprache ist auf der ganzen Welt vertreten. Da die Gebärdensprache eine natürliche Sprache ist, gibt es auch in diesem Bereich eine landesspezifische Gebärdensprache. In Österreich ist die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS), in Deutschland die Deutsche Gebärdensprache (DGS), in Amerika die american sing languages (ASL) usw. vertreten.
Österreichische Gebärdensprache (ÖGS)
Die Gebärdensprache ist eine eigenständige, visuell orientierte Sprache mit eigener Grammatik und Ausdrucksform.Sie ermöglicht die sinnstiftende Kommunikation zwischen Gehörlosen, Gehörbeeinträchtigten, wenn die Hörhilfen ausgefallen sind, und Hörenden.
Wenn Kinder in eine Gehörlosen-Familie geboren werden, so ist ihre Erstsprache die Gebärdensprache. Egal, ob die Kinder hörend oder gehörlos sind. Ein Kind, das gehörlos in die gehörlose Familie hineingeboren wird, erlebt sich nicht anders als die unmittelbare Umgebung – die Eltern. Ein Kind, das hörend hineingeboren wird, merkt bald, dass die Eltern viele Dinge oder Geräusche nicht hören können, die es selbst wahrnimmt. Trotzdem lernt es die Gebärdensprache, weil dies die einzige Kommunikationsform mit den Eltern ist. Es lernt aber durch die weitere Umgebung (z.B. hörende Großeltern, Tanten oder Kindergarten) sehr wohl die Lautsprache. Bei der Gebärdensprache ist auch wichtig zu beachten, dass die Gehörlosen Menschen sich einer eigenen Kultur, einer eigenen Gemeinschaft bewusst sind. Durch ihr Selbstbewusstsein ist ihnen möglich geworden, sich als eigenständige Gruppe, eine Gruppe, die visuell orientiert ist, aufzubauen. Mit der Zeit haben sie ihre eigene Geschichte, ihr eigenes soziales Umfeld und eigene Kulturen und Gebräuchen entwickelt. Diese Gemeinschaft ist ihnen wichtig. Ein wichtiger Meilenstein für diese Gruppe war die Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) als eigenständige Sprache am 1. September 2005.
Hier sind noch einige Beispiele für weitere Verwendung der Gebärdensprache: über große Entfernungen muss man nicht mehr schreien, Kommunikation durch geschlossene Fenster (Zug oder Bus), mit Kleinkindern, die noch nicht sprechen können, wobei es hier egal ist, ob sie hören können oder nicht (Stichwort Babysigns).
Im Abschnitt über das CI habe ich bereit darauf hingewiesen, wie wichtig eine Kommunikationsmöglichkeit ist, wenn eine Hörhilfe ausfällt. Das Kind versteht nur noch die Hälfte oder gar nichts mehr. Es gerät innerlich in Stress. Hier kann die Gebärde eine Hilfe sein, trotzdem zu verstehen, was rundherum passiert.
Wo kann man ÖGS erlernen?
In ganz Österreich werden ÖGS-Kurse abgehalten. Wenn Sie sich für einen Kurs anmelden wollen, wird vom ÖGSDV empfohlen, bei der Anmeldung darauf zu achten, ob die/der Kursleiter/in eine Ausbildung als GebärdensprachkursleiterIn (in Graz oder Klagenfurt) absolviert hat und ob statt ÖGS LBG (=Lautsprach-Begleitendes-Gebärden) unterrichtet wird. LBG-Unterricht bedeutet: nur Vokabel, keine ÖGS-Grammatik und ist daher nicht zur Kommunikation mit Gehörlosen geeignet. Erkundigen Sie sich bitte, ob ab dem 1. Semster bereits Grammatik angeboten wird. Das ist sehr wichtig!
Zu den Kursen in den einzelnen Bundesländern finden Sie auf der ÖGSDV unter Gebärdensprache/Kurse sämtliche Kursanbieter.
ÖGS für Kinder
Für Kinder gibt es (derzeit einzigartig) seit einigen Jahren in Wien den Kinderhände die altersspezifisch und kindgerecht ÖGS lehren.





