... Bilinguale schulische Integration gehörloser Kinder
Schulische Integration gehörloser Kinder mit Gebärdensprache und Lautsprache in der Regelschule
Von 2005 bis 2009 wurde in der Wiener Waldschule eineIntegrationsklasse geführt, in der Deutsch und österreichischeGebärdensprache gleichwertig als Unterrichtssprache eingesetztwurden. Ein Fazit.
Wiener Modell Waldschule
Seit ca. 1998 gibt es in Wien Integrationsklassen in Volksschulen, in denen hörende und hörbeeinträchtigte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Der Unterricht wurde lautsprachlich und/oder hörgerichtet für hörbeeinträchtigte Kinder angeboten. Die Klientel der Kinder wurde dieser Unterrichtsform angepasst und somit konnten gehörlose Kinder welche Gebärdensprache benötigten um den Unterrichtsgeschehen folgen zu können, diese Schulform nicht besuchen.
Diese Situation war für gehörlose Eltern unbefriedigend und sie verlangten das gleiche schulische Angebot für ihre gehörlosen Kinder. Gemeinsam mit hörenden Eltern forderten für das Schuljahr 2005/06 die Möglichkeit der Integration ihrer hochgradig hörgeschädigten Kinder in das Regelschulwesen mit Hilfe der ÖGS (Österreichischen Gebärdensprache) in Wien ein. Ich, als hörende Gehörlosenpädagogin mit Gebärdensprachkenntnissen erklärte mich bereit, diese Integrationsklasse gemeinsam mit einer Volksschullehrerin zu unterrichten. Gemeinsam mit 11 hörenden Kindern wurden die 6 gehörlosen Kinder unterrichtet. Die Besonderheit an dieser Klasse war, dass die beide Sprachen, die österreichische Gebärdensprache und die deutsche Laut- und Schriftsprache als Unterrichtssprachen gleichwertig eingesetzt wurden.
Schul- und Klassenprofil
Expositurklasse
Die Klasse befand sich in einer Volksschule in Wien. Wobei die sechs gehörlosen Kinder und die Gehörlosenpädagoginnen der Stammschule Bundesinstitut für Gehörlosenbildung (BIG) zugeteilt waren. Konkret bedeutete das, dass die gehörlosen SchülerInnen und die IntegrationslehrerInnen administrativ und organisatorisch der Stammschule angehören. Der Großteil der Unterrichtsstunden wurde an der VS gehalten. Wobei den gehörlosen Kindern mehrere Zusatzstunden pro Woche (Artikulationsstunden, CI-Stunden und Therapiestunden) angeboten wurden.
Zwei Therapiestunden wurden auch am Nachmittag im BIG gehalten, da die Kinder den Hort am Nachmittag am Institut verbrachten. Dies war für die SchülerInnen sehr wichtig, da sie mit anderen hörgeschädigten Kindern soziale und sprachliche Kontakte pflegen konnten. Mit einem Busdienst wurden die SchülerInnen mittags in den Hort des Institutes gebracht.
SchülerInnen
In der Klasse befanden sich 17 SchülerInnen insgesamt, davon eines mit Migrationshintergrund.
Es gab 6 gehörlose SchülerInnen, 3 Mädchen und 3 Buben. 4 von ihnen hatten ein Hörgerät und 2 Kinder ein CI, 4 hatten selbst gehörlose Eltern, 1 Kind wurde von der hörenden Mutter mit Gebärdensprache aufgezogen, 1 CI - Kind hatte ebenfalls gehörlosen Eltern.
Alle hörenden Kinder kamen aus unterschiedlichen Kindergärten. Gleich in der ersten Klasse besuchte der Großteil der hörenden Schüler einen außerschulischen Gebärdensprachkurs. Dieser Kurs wurde einmal in der Woche angeboten und von einer gehörlosen und einer hörenden Person als Team organisiert.
Pädagoginnen
Volksschullehrerinnen (Klassenlehrerin, Werk-, Musik- und Religionslehrerinnen)
Eine Integrationslehrerin
Eine gehörlose Lehrerin (Integrationslehrerin in Turnen)
Eine Religionslehrerin mit GS-Kompetenz
Alle Unterrichtsstunden waren doppelt besetzt. Die Pädagoginnen blieben an der jeweiligen Stammschule angestellt. Die RegelschulpädagogInnen beherrschten keine ÖGS.
Eltern
Die Eltern der hörenden Kinder entschieden sich freiwillig für die Integrationsklasse und hatten ein sehr hohes Engagement und Interesse hinsichtlich der Gebärdensprache und der Gehörlosenkultur. Durch mehrmalige Elternabende und auch außerschulische Veranstaltungen und Treffen, (z.B. gemeinsamer Heurigenbesuch mit Wanderung, Schulfeste) organisiert von den hörenden Elternvertretern, wurden die ersten bestehenden Hemmungen bezüglich der Kommunikationsschwierigkeiten mit den gehörlosen Eltern Schritt für Schritt abgebaut. Ein einheitliches Miteinander in allen Bereichen (z.B. Erstkommunion) war für alle Eltern äußerst wichtig und ein Selbstverständnis. Auch die Organisation des Gebärdenkurses übernahmen die Eltern der hörenden Kinder. Die gehörlosen Eltern beteiligten sich ihrerseits sehr aktiv an gemeinsame Veranstaltungen und boten Einblicke in die Gehörlosenwelt (z.B Einladung in den Sportverein für Gehörlose, Gehörlosentheater und Gehörlosenvereine usw.)
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